Mein Senf zum Duell von Micha
Zuerst einmal die Basics: Das aus dem Duell irgendwelche weltbewegenden Erkenntnisse oder Neuigkeiten zu gewinnen wären, war und ist unrealistisch. Es ist ja auch gar nicht Ziel einer solchen Veranstaltung - es geht darum, die Zuschauer zu überzeugen. Das dies auf Grund der Erfahrungs- und Wissensdiskrepanz zwischen Zuschauer und Politiker nicht durch Fakten gehen kann, liegt in der Natur der Sache. Was soll dann also zählen? Naja, eben Ausstrahlung, vermutete Kompetenz und mögliches Vertrauen (Günter Jauch in der Analyse: Würden Sie bei dem Kandidaten einen Gebrauchtwagen kaufen?).
Insofern ist meine Meinung, dass Schröder hier eindeutig gepunktet hat. Merkel hat die ganze Zeit die gleichen Satzkonstruktionen und -inhalte verwendet, lediglich die Satzanfänge variiert. Besonders interessant war, wie sie sich unter den Kirchhoff-Fragen gewunden hat. “Es sei nur eine Vision …” und “… es ist mir lieber, die Leute denken weiter”. Dies passt natürlich in das Konzept die positive Wirkung Kirchhoffs auszunutzen, ohne dessen Konzept wirklich umsetzen zu müssen (trotz der angeblichen zwei Drittel des Wegs durch das CDU-Programm). Nun ja es ist halt Wahlkampf!
Was auch für Schröder zutrifft. Bis auf die Türkei- und Irakfrage, steht hier bei mir auch hinter jeder Aussage eine großes Fragezeichen.
Anstatt dieser Duells wäre es doch wesentlich interessanter für die Wähler, die Wahlprogramme der einzelnen Parteien durch zu gehen und zu vergleichen. Und zwar ohne Politiker der jeweiligen Parteien. Wäre das nicht etwas für den Bildungsauftrag des öffentlich rechtlichen Fernsehens? So etwas wie “Unsere 100 besten Ideen für Deutschland” mit dem Untertitel “Und wie die Parteien sie umsetzen wollen.” Wenn dies noch mit einem pädagogischen Konzept unterlegt wäre, so dass die komplizierten Themen verdeutlicht werden, wäre dies ein echter Gewinn für die Demokratie. Und ist alle mal besser als das Hansi Hinterseer Open Air Konzert (Würg).

