NachdenklichesMarch 26, 2009 10:27

Der Engel der Langsamkeit

Ein Engel hat immer für dich Zeit,
das ist der Engel der Langsamkeit.
Der Hüter der Hühner, Beschützer der Schnecken,
hilft beim Verstehen und beim Entdecken,
schenkt die Geduld, die Achtsamkeit,
das Wartenkönnen, das Lang und das Breit.

Er streichelt die Katzen, bis sie schnurren,
reiht Perlen zu Ketten, ohne zu murren.
Und wenn die Leute über dich lachen,
und sagen, du musst doch schneller machen,
dann lächelt der Engel der Langsamkeit
und flüstert leise: Lass dir Zeit!
Die Schnellen kommen nicht schneller ans Ziel.
Lass den doch rennen, der rennen will!

Ein Engel hat immer für dich Zeit …

Er sitzt in den Ästen von uralten Bäumen,
lehrt uns, den Wolken nachzuträumen,
erzählt vom Anbeginn der Zeit,
von Sommer, von Winter, von Ewigkeit.
Und sind wir müde und atemlos,
nimmt er unsren Kopf in seinen Schoß.
Er wiegt uns, er redet von Muscheln und Sand,
von Meeren, von Möwen und von Land.

Ein Engel hat immer für dich Zeit …

Jutta Richter

NachdenklichesJuly 25, 2008 22:16

Heute starb Randy Pausch an den Folgen seines Krebsleidens. Möge er in Frieden ruhen.

Seine Last Lecture hat mich sehr beeindruckt. 76 sehr gut verbrachte Minuten.


NachdenklichesApril 10, 2008 13:59

In seiner Kolumne im Magazin der Zeit schreibt Harald Martenstein heute :

Neue Gegenstände werden nur dann aufgenommen, wenn sie sich gegen einen der Platzhalter qualifizieren, ansonsten: Annahme verweigert. Status, materieller Wert oder Angebertum dürfen keine Rolle spielen, es zählen nur Schönheit, Witz oder emotionale Werte, zum Beispiel bei Geschenken, die ruhig hässlich sein dürfen, falls sie an eine angenehme Bekanntschaft erinnern.

Wenn Ihr heute etwas lest, dann bitte das hier.

NachdenklichesJanuary 13, 2008 11:57

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

30 Jahre habe ich meinen Opa gekannt, Ende September habe ich ihn zum letzten Mal gesehen. Dieser alte Mann im Rollstuhl war nicht mehr der Mann, den ich lange Jahre als Opa erleben durfte. Mit meinem Opa habe ich Fahrradfahren und Rollschuhlaufen gelernt. Mein Opa machte die dollsten Dinge mit mir und ermöglichte mir viele Träume. Ich durfte Reiten gehen, wir gingen in den Zirkus, bei jedem Besuch fuhren wir ins Wellenbad mit großer Rutsche. Später dann finanzierte er mir meinen Aufenthalt in Amerika und meinen ersten Computer. Einmal sagte er mir: “Mit Deinem Opa kannst Du Pferde stehlen!”
Genauso möchte ich ihn in Erinnerung behalten - im vergangenen Jahr haben sich meine Eltern aufopfernd und liebevoll um ihn gekümmert. Das hat mich stark beeindruckt.

NachdenklichesJune 23, 2007 22:36

Im Zeit-Magazin ist eine ziemlich dunkle Dokumentation des Tessin-Mordes drin. Da fragt man sich unwillkürlich, wie man selbst reagieren würde…

NachdenklichesMarch 20, 2007 21:39

Man kann einem Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen es in sich selbst zu entdecken.

Galileo Galilei

empfehlenswert, NachdenklichesMarch 17, 2007 16:09

Es scheint momentan ein heißes Thema zu sein: Wie schütze ich meine Kinder vor den Gefahren des Internets?

Die Zeit meint, dass Eltern sich mit den Spielen und virtuellen Wanderungen Ihrer Sprösslinge auseinander setzen müssen. Das heißt im Klartext: mitzocken.

Die etwas subtilere Botschaft ist dabei aber, dass Eltern sich mit ihren Kindern über deren Welt unterhalten müssen. Kein Computerspiel macht aus einem Kind einen schwarzbekleideten Killer, sondern der Unwille bzw. auch die Unfähigkeit der Eltern sich mit der virtuellen Welt auseinanderzusetzen und die daraus resultierende mediale Vernachlässigung. In der virtuellen Welt gelten eben die gleichen Grundannahmen und Anforderungen - schließlich haben wir sie ja so gebaut. Wer sein Kind eben von Horrorfilmen und Pornos fernhält (die es in der “echten” Welt ja auch an jeder Ecke gibt) muss das eben im Netz auch tun.

Die Initiative Klicksafe bringt das ganz nett auf den Punkt: Wo ist Klaus?


Realistisch gesehen, kann man seine Kinder nicht vor “ungewünschten” Inhalten fern halten. Der Reiz des Verbotenen ist zu groß und irgendwo gibt es immer einen Freund, bei dem man dann die verbotenen Dinge sehen kann.

Um so wichtiger ist es, die Aktionen und Gedankenwelt seiner Kinder - so weit wie möglich - nachzuvollziehen. Also reden, reden, reden … und mitzocken ;-)

NachdenklichesDecember 7, 2006 12:20

Wenn ein Kind kritisiert wird,
lernt es zu verurteilen.

Wenn ein Kind angefeindet wird,
lernt es zu kämpfen.

Wenn ein Kind verspottet wird,
lernt es, schüchtern zu sein.

Wenn ein Kind beschämt wird,
lernt es, sich schuldig zu fühlen.

Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird,
lernt es geduldig zu sein.

Wenn ein Kind ermutigt wird,
lernt es sich selbst zu schätzen.

Wenn ein Kind gerecht behandelt wird,
lernt es, gerecht zu sein.

Wenn ein Kind geborgen lebt,
lernt es zu vertrauen.

Wenn ein Kind anerkannt wird,
lernt es, sich selbst zu mögen.

Wenn ein Kind in Freundschaft angenommen wird,
lernt es, in der Welt Liebe zu finden.
Text über dem Eingang einer tibetischen Schule

NachdenklichesOctober 20, 2006 13:57

Dein erster Laut,
wie einst fühl ich das gleiche Beben.
Genauso winzig, doch vertraut.
Auch Du ein Stück von meinem Leben.
Mein erster Blick in Deine Augen
bringt etwas aus der Zeit zurück,
die mir die Jahre raubten.
Unser erster Kuss, der uns für immer nun verbindet.
Ich spür das ich Dich lieben muss
Du Kind von meinem Kinde.

Es ist ja eigentlich superschnulzig, aber doch gefällt es mir. Ich hoffe mal, ich darf später bei den Enkeln dasselbe fühlen.

NachdenklichesSeptember 14, 2006 14:44

An einem sonnigen Septembertag war irgendetwas anders. Dieser Tag war so besonders, ich werde ihn wohl nie vergessen. Ich habe mich mit einem netten Menschen stundenlang unterhalten - wir suchten immer neue Themen nur um uns nicht trennen zu müssen. Wir liefen durch die ganze Stadt, kreuz und quer …
… tja, das war also der Anfang. 10 Jahre ist dieser Septembertag mittlerweile her.
In diesen 10 Jahren haben wir viel erlebt, wir haben gemeinsam die Schule beendet und auf das Abitur nicht wirklich gelernt. Wie denn auch, wenn man verliebt ist und gemeinsam lernt. Wir haben trotzdem denselben Abidurchschnitt erreicht, auch wenn ich einen Punkt schlechter bin.
Wir haben uns an den Wochenenden aneinandergerauft, die Studentin und der Wehrdienstleistende, und wenn es dann schön war, mussten wir uns schon wieder trennen. Wir haben gemeinsam studiert, gekocht, gelebt. Wir hatten denselben Studentenjob und viele gemeinsame Freunde. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, wenn es um Probleme mit dem Studium oder den Eltern ging. Getrennt starteten wir in neue Erfahrungen, im Ausland und in Architektur. Und trotzdem wurde täglich kommuniziert. Gemeinsame Urlaube waren rar aber schön.
Wir sahen uns an und wussten, der richtige Zeitpunkt für ein Kind kommt nie. Wir bestanden den Härtetest im August. Wir sind unsere härtesten Kritiker und vielleicht darum oft ein gutes Team. Entschieden uns dann gemeinsam für das Ziel mit den meisten Unbekannten und haben es nicht bereut.
Als Familie knabbern wir noch stark an den Veränderungen. Vieles läuft nicht mehr gemeinsam, jeder macht sein eigenes Ding - das war bisher nicht so. Trotzdem haben wir den Schritt getan und geheiratet, denn auch das Studententeam brauchte lange Einarbeitungszeit. Immer wieder finden wir die Nischen, manchmal ist es wie früher, manchmal ist es neu - aber auch das Neue ist schön. Ein zweites Kind passt nie - darum nehmen wir es gerne.
Das war eine Dekade im Schnelldurchlauf. Bereut habe ich noch keinen Augenblick - ich freu mich auf die Nächste.