In jüngster Vergangenheit kann man im Fernsehen, in Zeitungen und eigentlich überall die Werbung der Optimismus-Kapagne Du bist Deutschland finden. Dies Kampagne wird hauptsächlich von Unternehmen der Medienbranche aber auch von Firmen anderer Branchen, wie zum Beispiel die Bäckereikette Kamps. Die Kampagne ist mit rund 30 Millionen Euro finanziell ziemlich gut ausgestattet für eine Therapie der German Disease.
Der der aktuellen Zeit Nr. 41 findet sich nun eine wirklich überspitzte Glosse von Jens Jessen mit den Titel Du bist Werbeagentur (Man beachte auch die Kommentare zur Glosse):
Jedenfalls würde man gerne erleben, wie die Werbetexter, die sich diesen Schwachsinn ausgedacht haben, einem fünfzigjährigen Ingenieur erklären, dass er seinen Arbeitsplatz nur deswegen verloren hat, weil er vergaß, dass auch August Thyssen, Ferdinand Porsche oder andere berühmte Werktätige der deutschen Vergangenheit einmal klein angefangen haben. »Du bist Thyssen« – »Du bist Porsche«. Gewiss doch! Gewiss hätte unser Ingenieur das Zeug dazu, ein Porsche zu werden, wenn seine Fähigkeiten dazu nur auf dem Markt nachgefragt würden. Muss man den Initiatoren der Kampagne, die aus der Medienwirtschaft kommen, erst eigens erklären, dass unsere Probleme auf einem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage beruhen, dass Kapital knapp geblieben, Arbeitskraft aber im Überfluss vorhanden ist?
Dieses Kampagnen-Bashing geht noch ein bisschen weiter und kommt auch nicht ohne Bezüge zur NS-Zeit aus.
Beim sonntäglichen Frühstück hab ich dann ein bisschen darüber nachgedacht und bin auch der Meinung, dass bessere Stimmung in Deutschland wahrscheinlich nicht durch Werbung erreicht werden kann (Fußball-Weltmeister wäre da eine bessere Sache, aber nach dem gestrigen Spiel müssen wir ja eigentlich froh sein, der Gastgeber der WM 06 zu sein, um wenigstens an ein paar Gruppenspielen teilnehmen zu können…). Ebenfalls wäre es meines Erachtens nach besser den Etat von 30 Millionen Euro sinnvoller zu nutzen, beispielsweise in dem man Jugendzentren unterstützt oder irgendetwas anderes Nützliches damit macht. 30 Millionen sind zwar zu wenig für nachhaltige Wirkungen - es wäre aber ein besserer Anfang als Fernsehspots und Werbung. Außerdem sind 30 Millionen für die beteiligten Unternehmen eh Peanuts.
Sei es wie es sei, wenn Werbeschaffende über good corporate citizenship nachdenken, kommt halt eine Kampagne raus - eigentlich logisch. Was nun aber echt lustig ist und die Glosse noch weiter satirisch unterstützt, findet man in der Zeit ein paar Seiten später heraus - eine doppelseitige Anzeige für die Kampagne: “Du bist Ludwig van Beethoven”.
Nun ja, heute dürfte jeder zumindest einem zustimmen: Du bist Sonntag - also genieß es! (Wahlweise auch: Wir sind Sonntag, dass war ja auch mal ziemlich populär)
Update: Die Kampagne inspiriert auch Ihre Kritikerund allgemeine Zyniker