Tja, jetzt hab ich mir die Entwürfe mal alle angeschaut. Und die Entscheidung (hängt ja auch noch vom Lehrstuhl ab, ob die mich nehmen) fällt schwer. Das kommt in die engere Wahl:
Haus-Hof-Haus
An mehreren Grundstückssegmenten in der Görlitzer Innenstadt soll die Anpassungsfähigkeit gründerzeitlicher Blockstrukturen an heutige Wohnbedürfnisse untersucht werden. Die einzelnen Segmente umfassen jeweils ein Bestandsgebäude, einen Grünbereich im Innenhof und eine Parzelle für einen Neubau. Ziel der Arbeit ist, dass die individuellen Beiträge zusammen ein neues Quartier im Stadtkontext schaffen.
Dafür spricht, daß es in Görlitz ist, das kenne ich eigentlich ganz gut und muß mir nicht durch mehrere Exkursionen dahin Infos beschaffen. Außerdem ist eine Informationsquelle direkt vor Ort. Die Aufgabenstellung interessiert mich auch, der Block gefällt mir und den an heutige Wohnbedürfnisse anzupassen, wäre ne herausfordernde Aufgabe.
Dagegen spricht, daß ich an diesem Lehrstuhl bereits ein Projekt gemacht habe und das war meine schlechteste Note bisher. Außerdem sollen die individuellen Beiträge zusammen ein neues Quartier schaffen. Die Frage hierbei wäre eben, wie stark die Abstimmung mit den Nachbarn erfolgen muß. Auch der persönliche Bezug zu Görlitz könnte ein Hindernis darstellen, jemand der Görlitz nicht kennt, kann viel “abgehobener” (und damit dem Professor gefallender) entwerfen. Ich habe eben schon mitbekommen, daß mein “Realitätsbezug” schon oft eher Hindernis als Vorteil war.
eins zu eins II
Eine kleine Kapelle in den Bergen, mitten in der Natur abseits von allem und nur zu Fuß zu erreichen. Ein Ort zum Ausruhen, Kraft schöpfen und Nachdenken. Landschaft und Gebäude ergänzen sich, beziehen sich aufeinander, bilden ein wohldurchdachtes Ensemble.
Licht, Material, Räumlichkeit, Innen und Aussen werden bis in den Maßstab 1:1 präzise durchdacht, dargestellt und immer wieder möglichst realitätsnah mit eingeladenen Fachplanern abgestimmt.
An diesem Lehrstuhl habe ich mein Café gemacht und nach anfänglichen Startschwierigkeiten ist das auch gut geworden. Das spricht dafür, außerdem reizt mich die Aufgabenstellung. Die Realitätsnähe ist auch ein Pluspunkt.
Allerdings sollen ja immer Fachplaner ein Auge darauf werfen, dazu müsste ich dann wohl in Dresden sein. Wäre machbar, wenn das nicht wöchentlich, sondern an bestimmten Terminen im Semester stattfände.
Warschau - zwischen Basar und Börse
Wenn die Mitte ostwärts liegt, wie Karl Schlögel behauptet, dann ist Warschau eine Stadt der Zukunft. Dass sich in der unbestrittenen Kapitale Polens Großes schon jetzt anbahnt, zeigen die städtebaulichen Entwicklungen im Zentrum wie in der Peripherie gleichermaßen. Die Hauptstadt Polens zeigt sich als Experimentierbühne einer entfesselten Globalisierung, die ihre Identität im Spannungsfeld der verschiedenen Lebenszeiten, alter und neuer Kulturen erst noch finden muss. Vor dem Hintergrund der zunehmend erstarkenden Finanzinteressen, die Ansprüche an die Umgestaltung Warschaus anmelden, soll für ein ausgewähltes Areal ein räumlicher Entwicklungsvorschlag erarbeitet werden.
Dafür spricht, daß dies ein städtebaulicher Entwurf ist und ich Gefallen an Städtebau gefunden habe. Momentan finde ich allerdings mehr, was dagegen spricht. Warschau - da kommt man sicher um eine Exkursion nicht drumrum. Auch liest es sich beim zweiten/dritten Mal so, als soll eben kein “stinknormales” Stückchen Stadt entwickelt werden, sondern ein “Schmankerl”. Und ich bin kein “Schmankerl”-Typ.
Hm, und bin ich jetzt schlauer? Etwas schon. Könnt ihr mal Eure Stimmen abgeben? Was und warum gefällts Euch oder nicht?